Was braucht ein Mensch? Zuallererst: er muss seine Welt verstehen und sich
verstanden fühlen. Sodann will er Möglichkeiten haben, sich selber gestaltend in
sein Leben einzubringen – und schließlich: er muß sich erwünscht fühlen
und dadurch im Leben einen Sinn spüren.
Eigentlich ist das nicht viel – aber was passiert, wenn diesen Grundbedürfnissen
nicht Rechnung getragen wird? Und wer anderes kann ihnen Rechnung tragen als
ein Mensch für den anderen? In diesem existenziellen Bedarf nach Partnerschaft
und Fürsorge sind alle Menschen gleich, solche mit mehr oder mit weniger
Behinderung.
Wir versuchen in unserer Tätigkeit, Menschen mit besonderem und besonders hohem Hilfebedarf so zu begleiten, dass sie wo immer möglich, unabhängiger von Hilfe werden. Das geschieht dadurch, dass im Lebensalltag ein räumlicher, zeitlicher und sozialer Rahmen geschaffen wird, der die Hindernisse, an denen Behinderung entsteht so niedrig wie möglich hält. Das gilt für Menschen, die ihr Anderssein empfinden und dadurch immer wieder in Situationen von Frustration und Scheitern zu geraten drohen, ebenso für solche, die durch Leistungsgrenzen oder Verhaltenszwänge in einer Leistungsgesellschaft ausgegrenzt wären.
Integration als Programm reicht nicht, sie muss geschehen. In der Werksiedlung
St. Christoph bei Kandern leben Begleiter mit ihren Familien unter einem Dach
(genauer gesagt unter drei Dächern) mit behinderten Erwachsenen. Einige
Begleiter wohnen anderswo, kommen täglich in unsere Siedlung, zum Helfen,
zum Mitmachen, zum Arbeiten, zum Feiern. Alle brauchen wir Freunde, wollen
verstehen und verstanden werden: Nachbarn, Angehörige, Behörden, Kunden,
Partner … Wir haben übrigens noch einen unverzichtbaren Helfer für ein
gelingendes Leben: die uns umgebende wunderschöne Natur!
Katharina Mauser