Welche Erinnerung wird wahr beim Filzen? – zarte Hülle – feuchte Wärme
– pulsierender Rhythmus, wie Herzschlag, wie Atem, der Mensch am Anfang.
Er schreitet weiter in Prozessen von Verwandlung: Die hauchzarten Fasern verbinden sich durch Kraft und Wärme. Im Verborgenen zu etwas Neuem, Gestalteten, Geformten. Wunder der Metamorphose, geprägt durch den schaffenden Menschen.
Seine Eigenheiten wie Farbempfinden, Gestaltungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Kraft und Ausdauer bestimmen die Erscheinungsform und Qualität des fertigen Produktes. Wo gibt es das sonst noch? In der Kunst und der Therapie – wir arbeiten damit.
Aus diesem Verständnis heraus entstanden vielfältige therapeutische Ansätze
(unter anderem in der Ergotherapie und im Bereich der Rehabilitation insgesamt),
die auf dem Tätigwerden basieren und unmittelbar Einfluss auf Körperfunktionen,
psychische Verfassung und Sozialverhalten ausüben.
Die Arbeit in unseren Werkstätten ist dennoch nicht primär therapeutisch
ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht eindeutig die Herstellung von Erzeugnissen für
unterschiedliche Märkte und wir folgen dabei den Maßgaben, die uns nach
Mengen, Termintreue und Qualität von «außen» gesetzt werden.
Der Arbeitsprozess in den Werkstätten hat allerdings eine eigene Prägung, die wir als sozialtherapeutisch beschreiben. Hier soll ein stabiles Gesamtgeschehen veranlagt werden, in dem jeder beteiligte Mitarbeiter größtmögliche Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit erfahren können soll. Darüber hinaus wird Menschen mit Behinderungen ein breites Erfahrungsfeld angeboten, das viele Wahl- und Entwicklungsmöglichkeiten schafft.
Günter Homberg